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29. Juni 2026

Google beendet das Juni-Spam-Update in zwei Tagen – und die Foren melden mehr Spam, nicht weniger

Am 24. Juni rollte Google das June 2026 Spam Update aus. Am 26. Juni war es schon abgeschlossen. Zwei Tage, weltweit, alle Sprachen. Kaum war es vorbei, füllten sich die Foren mit Klagen: Trafficeinbrüche auf Seiten, die ihre Betreiber für alles andere als Spam halten, und zugleich der Eindruck, die Ergebnisse seien spammiger als zuvor. Also genau das, was so ein Update eindämmen soll. Lohnt der zweite Blick? Schon. Aber ein nüchterner.

Ich trenne hier, was bestätigt ist, von dem, was bloß Stimmung ist. Und ich zeige, woran Sie selbst erkennen, ob Sie überhaupt betroffen sind.

Was bestätigt ist

Die harten Fakten sind schnell erzählt, weil Google wenig dazu sagt. Das Update startete am Mittwoch, den 24. Juni, gegen Mittag US-Ostküstenzeit und war am 26. Juni gegen 14 Uhr ET fertig ausgerollt. Auf der Google Search Status Page steht der dürre Eintrag: ein „normales“ Spam-Update, global, für alle Sprachen und Regionen, abgeschlossen am 26. Juni 2026. Es ist das zweite bestätigte Spam-Update des Jahres nach dem im März, und Barry Schwartz von Search Engine Land ordnet es als etwas größer ein als den März-Lauf.

Zwei Details aus den offiziellen Eckdaten sind wichtiger, als sie klingen. Dieses Update zielt ausdrücklich nicht auf Link-Spam und nicht auf die Site-Reputation-Abuse-Policy, sondern auf Verstöße gegen die allgemeinen Spam-Richtlinien. Und auf die Frage, welcher Anteil der Suchanfragen betroffen war, antwortete Google nicht. Wer getroffen wurde, dem rät Google, die eigenen Seiten gegen die Spam-Richtlinien zu prüfen. Bis eine Erholung greift, können laut Google Monate vergehen, abhängig von periodischen Refreshes.

Das ist der gesicherte Teil. Mehr gibt die Quellenlage nicht her.

Woher die Aufregung kommt

Der laute Teil spielt im WebmasterWorld-Forum, aufgegriffen von Search Engine Roundtable. Dort beschreiben Betreiber Trafficrückgänge auf Seiten, die sie selbst als sauber bezeichnen. Einer meldet minus 10 bis 15 Prozent „ohne Spam auf der Seite“. Ein anderer minus 20 Prozent gegenüber demselben Tag der Vorwoche, samt einbrechendem Umsatz. Eine Stimme nennt sogar minus 80 Prozent und stellt klar: „Wir spammen nicht.“

Parallel dazu der zweite Strang, der die eigentliche Reibung erzeugt. Mehrere Betreiber berichten, die Suche werde spammiger, nicht sauberer: „deutlich mehr Spam“, merkwürdige Seiten, die plötzlich organisch auftauchen, und Listicles, in denen sich Anbieter selbst auf Platz eins setzen. Ausgerechnet diese Eigenlob-Listen ranken laut Forum gerade gut, obwohl Google sie offiziell nicht sehen will. Das ist die Pointe, die jeder gern aufgreift: ein Spam-Update, nach dem die Suche spammiger wirkt.

So zugespitzt ist das eingängig. Es ist nur keine Messung.

Stimmung ist keine Messung

Forenfäden sind ein verzerrter Spiegel. Wer Traffic verliert, schreibt. Wer stabil bleibt oder gewinnt, schweigt meist. Schon deshalb kippt jede solche Sammlung ins Negative, ganz ohne dass die Suche als Ganzes schlechter geworden sein muss. Die Spanne von minus 10 bis minus 80 Prozent ist kein Messwert, sie ist ein Gefühl mit Zahl daran.

Zu einer belastbaren Aussage fehlt das, was jede Messung braucht: eine Vergleichsbasis. Gegenüber wann ist der Einbruch gemessen, gegen den Vortag, die Vorwoche, das Vorjahr? Welche Anfragen und welche Seiten sind betroffen, oder verrutscht nur ein Mittelwert über alles? Ohne diese Trennung lässt sich nicht sagen, ob ein Rückgang von diesem Update kommt, von normaler Schwankung oder von etwas, das schon vorher lief. Wer auf Forenstimmung reagiert, optimiert gegen ein Bauchgefühl. Und das ist teuer.

Der ehrliche Satz dazu: Auch der Eindruck „mehr Spam in der Suche“ ist erst einmal Wahrnehmung. Er kann stimmen. Belegt ist er mit ein paar Forenzitaten nicht.

Nicht jede Schwankung ist dieses Update

Zwei Verwechslungen sind gerade besonders naheliegend.

Die erste betrifft den Zeitpunkt. Mehrere Beobachter berichten, die Bewegung habe sich schon vor der offiziellen Ankündigung angekündigt, das Update habe sich „früher angefühlt, als es angesagt war“. Unruhe in den Tagen davor ist also nicht automatisch dieses Update. Sie kann ein früher Rollout sein, sie kann Rauschen sein. Wer jede Ranking-Bewegung der vergangenen anderthalb Wochen unter dem Etikett „Juni-Spam-Update“ verbucht, schiebt Unbestätigtes und Bestätigtes in einen Topf. Bestätigt ist allein das Fenster vom 24. bis 26. Juni.

Die zweite betrifft die Art des Updates. Ein Spam-Update ist kein Core-Update. Es bewertet nicht die allgemeine Qualität neu, sondern greift Seiten an, die gegen Spam-Richtlinien verstoßen, und diesmal ausdrücklich ohne Link-Spam und ohne Site-Reputation-Abuse. Wenn Ihre saubere Seite Federn lässt, ist das Spam-Update damit ein eher unwahrscheinlicher Verdächtiger. Diese Unterscheidung erspart Ihnen die falsche Reparatur am falschen Problem.

Was Sie jetzt tun, und was nicht

Ich behandle solche Wochen als Messaufgabe, nicht als Notfall. Der erste Schritt kostet zehn Minuten: Legen Sie Ihren Trafficverlauf neben das bestätigte Fenster. Fällt der Knick mit dem 24. bis 26. Juni zusammen oder liegt er davor? Schon diese eine Frage sortiert die meisten Fälle vor.

Der zweite Schritt ist die Segmentierung. Schauen Sie auf einzelne Anfragen und einzelne Seiten. Ein Mittelwert über alles verwischt genau die Stelle, an der Sie ansetzen müssten. Verlieren wenige Seiten stark, ist das ein anderer Befund als ein flächiger Rückgang, und er führt zu einer anderen Maßnahme.

Verstößt eine betroffene Seite tatsächlich gegen die Spam-Richtlinien, gilt Googles eigener Rat: Richtlinien lesen, sauber machen, auf den nächsten Refresh warten. Das dauert, oft Monate. Verstößt sie nicht, lassen Sie den ersten Schreck verstreichen und beobachten Sie, ob sich der Wert über die nächsten Wochen einpendelt. Zwei Tage nach Abschluss eines Updates ist die Datenlage zu dünn für jede Generalüberholung.

Bleibt die Erwartung, die im DACH-Raum mitschwingt: Viele hatten gehofft, Google gehe diesmal härter gegen KI-Spam vor. Ob ein Lauf von zwei Tagen das überhaupt leisten kann, zeigen erst die kommenden Wochen, wie Christian Kunz von SEO Südwest trocken anmerkt. Aus dem Gefühl heraus, die Suche sei nach 48 Stunden voller oder leerer von Spam, lässt sich das nicht entscheiden.

Fazit

Ein bestätigtes Update, um das sich eine unbestätigte Geschichte rankt, so lässt sich die Woche zusammenfassen. Gesichert sind das Zeitfenster, die globale Reichweite, der Charakter als normales Spam-Update und Googles Schweigen zum Ausmaß. Alles Weitere, die Einbrüche zwischen 10 und 80 Prozent und der spammigere Eindruck, ist Forenstimmung. Als Frühwarnung taugt sie. Als Beleg nicht.

Die Suche fühlt sich für manche gerade spammiger an. Ob sie es wirklich ist und ob es Ihre Seiten trifft, beantwortet keine Forenzeile. Das beantwortet nur Ihre eigene Messung über die nächsten Wochen. Sichtbarkeit ist kein Bauchgefühl. Reagieren Sie auf Zahlen, nicht auf Lärm.


Quellen, Stand 29.06.2026: Google Search Status Dashboard, „June 2026 spam update“; Search Engine Land, „Google June 2026 spam update done rolling out“ (26.06.2026); Search Engine Roundtable, „Google June 2026 Spam Update Has Finished Rolling Out“ inkl. WebmasterWorld-Chatter (26.06.2026); SEO Südwest, „Google Spam Update vom Juni ist schon beendet“ (Christian Kunz, 26.06.2026). Die zitierten Trafficzahlen stammen aus Forenbeiträgen und sind Stimmungsbilder, keine verifizierten Messungen.